DETAILS

Semester-Projekt an der Muthesius Kunsthochschule

mit Janieke Bekasinski

Kategorie: Sonderausstellung

Betreuung: Christian Teckert, Martina Löwenstrom

Zeitraum: Oktober 2016 - Februar 2017

Arbeitsbereiche:

Inhaltliches Konzept und Kuration

-  Gestaltungskonzept und - entwurf

-  Entwurf von interaktiven Medienstation

-  Visualisierung und Modellbau

NEWS FROM THE UNMENTIONABLE

Zensur soll die Öffentlichkeit vor vermeintlich schädlichen und obszönen Inhalten schützen. Informationen werden so einer angeblich nötigen Kontrolle unterworfen. Doch Kunst, Kultur und ihre Autonomie vertragen keine Grenzen. Sie gehen Hand in Hand mit einer Ausdrucksfreiheit, die ihnen den nötigen Raum für Kritik, Kontext und Kreativität gibt. Ohne diese Attribute verliert  die Kunst ihre Inhalte, ihre Kraft zu Bewegen und vor allem ihr Vermögen aufzuklären. Ihr einziger Nutzen bleibt dann in ihrer Schönheit – aber wer braucht schon Schönheit, um die Welt zu verändern?

In diesem Semesterprojekt sollte eine historische Ausstellung verarbeitet und mit einer aktuellen Perspektive für den Brunswiker Pavillon in Kiel neu aufgesetzt werden. Die Grundlage für "News from the Unmentionable" war die Ausstellung "The Play of the Unmentionable", die 1990 im Brooklyn Museum in New York gezeigt wurde. Die Ausstellung war zugleich eine Installation des Konzeptkünstlers Joseph Kosuth. Er übernahm die Rolle des Kurators, des Ausstellungsdesigners und des Künstlers.

Anstoß für das Ausstellungskonzept war die damals aktuelle und öffentliche Kritik an der NEA (Nationale Endowment for the Arts), der einzigen staatlich geförderten Kunst- und Kulturstiftung in den USA. Ihr wurde vorgeworfen mit entsprechenden Steuergeldern obszöne und grenzüberschreitende Kunst zu fördern.

Kosuths Reaktion auf diese Kritik war eine Ausstellung, die ca. 100 Exponate aus dem Archiv des Brooklyn Museum aus verschiedenen Epochen und Regionen der Welt zeigte. All diese Exponate, die in ihrem Stil, ihrer Herangehensweise, aber auch ihrer Rahmung nicht unterschiedlicher hätten sein können, wurden unter verschiedenen Themen zu Clustern zusammengeführt und hatten letztendlich eines gemein: Jedes einzelne von ihnen hatte bereits in irgendeiner Form eine politisch, religiös, sexuell oder kulturell motivierte Einschränkung und Art von Zensur erlebt. 

Das Ziel der Ausstellung war Reflektion und Provokation zugleich. Kosuth wollte über einen sowohl historischen als auch aktuellen Blick die unbedingte Freiheit von Kreativität und Ausdruck betonen: Auch wenn Kunst nie die Möglichkeit hat etwas direkt zu „sagen“, so hat sie aber letztendlich die Macht das Unsagbare sichtbar zu machen. Die Verbindung zur Sprache hat hohe Priorität in der Arbeit von Joseph Kosuth. Dies sieht man auch in „The Play Of The Unmentionable“: Durch die komplette Ausstellung ziehen sich teils prägnante, teils ausführliche Zitate von öffentlichen Persönlichkeiten zum Thema der Zensur. Sie erscheinen in unterschiedlichsten Größen und verlaufen gerne mal über Eck, quasi über jegliche Grenzen hinweg.

„News From The Unmentionable“ wirft einen aktuellen und erweiterten Blick auf das Thema Zensur: Nicht nur die bildenden Künste, sondern auch Vorfälle und Geschichten im Bereich der darstellenden Künste, der Musik, der Literatur und der Presse werden beleuchtet. Kultur ist in ihrer kompletten Bandbreit aktuell immer wieder in drastische politische und gesellschaftliche Diskurse verstrickt. Sie rüttelt auf und erzürnt. So werden Gemälde und Skulpturen durch Bewegtbilder, Bühnenbilder oder Audio- und Textbeispiele ergänzt.

Auch in diesem neuen Konzept gilt vor allem die Eigenständigkeit der Besucher:innen. Sie sollen die vielfältigen Exponaten und gedanklichen Herausforderungen der Ausstellung aus ihrer eigenen Perspektive auf sich wirken lassen und entdecken können. Für einen noch intensiveren Austausch warten dabei verschiedene Interaktionen auf die Gäste, die das Gefühl zensiert zu werden am eigenen Leib erfahrbar machen.

Auf gestalterischer Ebene wurde vor allem das graue Band in „News From The Unmentionable“  weitergezogen. Auch weitere Raumelemente wie die Treppe oder die brechenden Rundungen erinnern an die Originalausstellung. Dabei wurden die geradlinigen Strukturen des Brunswicker Pavillons jedoch noch weiter aufgebrochen – die Formen schneiden ein und lösen auf. Als Vorlage dienten dabei nicht nur Elemente aus dem Brooklyn Museum sondern auch bekannte Zensurmittel wie Balken, Pixel, Schwärzungen oder Unschärfe. Man darf sich auf die Suche machen, wo man diese entdeckt.